POETIC PROSE.
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Written By Stian Glatthard
Heute im kalten Januar: Wir sitzen Schulter an Schulter und doch auf verschiedenen Seiten der Zeit. Du erzählst von morgen, ich denke an das, was wir gestern fast waren. Deine Sätze sind schnell, meine Gedanken bleiben zurück. Manchmal sehe ich dich an und liebe dich. Du bist warm, aber ich friere. Und dann stehst du auf, ganz normal, als würdest du nur Luft holen. „Ich muss los“, sagst du, und es klingt wie immer. Nur dass du dich nicht mehr bückst, um deine Jacke zu nehmen, sondern meine. Sie sitzt dir zu groß, und ich denke einen absurden Moment lang, dass sie bleiben könnte, wenn sie dich nicht wärmt. Aber du ziehst den Reißverschluss hoch. Sorgfältig. „Es ist kalt“, sagst du, und meinst nicht das Wetter, und ich habe nichts mehr, worin ich dich suchen könnte. Nachdem die Tür ins Schloss fällt, bleibt der Raum einen Augenblick lang stehen, als müsste er neu lernen, wie Stille funktioniert. Der Stuhl knarrt noch nach, als trüge er eine Erinnerung. Ich berühre die Lehne, als könnte Wärme ein Gedächtnis haben. Draußen fährt ein Auto vorbei, irgendwo lacht jemand. Die Welt zögert nicht, als du gehst, und ich bin ihr dafür gleichzeitig dankbar und böse. Ich gehe zum Fenster. Der Januar hängt grau zwischen den Häusern wie ein unausgesprochener Satz. Ich sehe dich nicht mehr, weiß aber genau, wie du jetzt gehst: ein wenig zu schnell, die Schultern hochgezogen, als würdest du dich entschuldigen, bei der Kälte oder bei mir. In der Küche steht noch deine Tasse. Der Tee ist kalt geworden, eine dünne Haut darauf wie ein Beweis. Ich trinke trotzdem und denke, so schmeckt Zurückbleiben, vertraut und bitter. Wir waren nie laut. Unser Glück war leise, fast schüchtern. Vielleicht hat es deshalb niemand bemerkt, als es anfing, sich zurückzuziehen, vielleicht nicht einmal wir. Ich setze mich auf den Boden, dort, wo deine Füße eben noch waren. Der Teppich ist dünn, aber er reicht, um nicht ganz zu fallen. Ich denke an all die Sätze, die ich nicht gesagt habe, weil sie später waren als deine. Du wolltest immer voraus, ich wollte bleiben, um zu verstehen. Zwischen diesen Bewegungen hat sich etwas aufgerieben, so langsam, dass wir es für Nähe hielten. Am Abend ziehe ich die Jacke wieder an. Sie riecht noch nach dir. Im Spiegel sehe ich aus wie jemand, der jemand anderen spielt. Ich lasse den Reißverschluss offen. Es ist kalt, und diesmal meine ich das Wetter. Draußen atme ich tief ein. Der Januar schneidet klar, fast ehrlich, und ich gehe los, nicht weg von dir, sondern weiter, in eine Zeit, die mich noch nicht kennt.
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POETRY.
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Written By Stian Glatthard
Ein Garten liegt hinter einer Mauer aus rotem Ziegel. Die Tür ist nur angelehnt, das Holz morsch vom Regen. Im Garten stehen Stühle, auf keinem sitzt jemand. Die Rosen sind erfroren, aber noch aufrecht. Eine Teekanne steht auf einem Tisch, der schief im Moos versinkt. Daneben liegt ein Brief, beschwert mit einem Stein. Die Tinte ist verlaufen, nur ein Wort blieb lesbar: „Warte“. Doch auf dem Weg hinaus fehlen Fußspuren im Schnee.
Heute über Bern; Ein Tropfen fliesst langsam die Fensterscheibe hinab. Ein Schirm kämpft gegen den Wind, geknickt, doch nicht gefallen. Der Himmel hängt schwer über den Dächern, als trüge er Geschichten, die keiner mehr hören will.
Ein Licht brennt im letzten Fenster des Bahnhofs. Der Zug ist längst fort, die Gleise leer. Ein Koffer steht offen auf der Bank. Drin liegt ein Mantel, noch warm. Die Uhr an der Wand tickt nicht mehr.
Ein Foto hängt schief in der Hütte. Darauf ein Lächeln, das keiner mehr kennt. Der Boden knarzt nicht, obwohl ich gehe. Der Rauch aus dem Kamin zieht rückwärts in den Himmel.
Ein Fenster steht offen, die Gardine bewegt sich kaum. Die Luft riecht nach Lavendel und kaltem Staub. Auf dem Fensterbrett ein Buch, umgedreht, Seite 243. Im Garten singt eine Amsel, als würde niemand fehlen. Die Kissen auf dem Sofa sind noch eingedrückt vom Sitzen. Auf dem Teppich: ein zerbrochenes Armband, Perlen verstreut. An der Wand hängt ein Kalender – der letzte Tag ist umkreist. Kein Name steht dort, nur: „Heute nicht vergessen“.
Die Tür fiel leise ins Schloss, aber niemand drehte sich um. Die Tapete löst sich in den Ecken, darunter blasses Blut. Auf dem Esstisch eine Tasse, noch warm. Davor: ein Stuhl, zurückgeschoben, schräg zur Welt. Ein Radio rauscht, Stimmen aus einem anderen Leben. Hinter dem Vorhang blüht eine weiße Orchidee. Ein Schlüsselbund liegt auf dem Boden, als wäre er gefallen. Draußen, auf der Stufe: ein einzelner Schuh im Regen.
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